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Eine bitterböse Abrechnung aus einer linksaussen-Position mit den politischen Verhältnissen in den USA, zuallererst mit seinem Lieblingsfeind, George W. Bush, dann aber auch mit den Demokraten, die seiner Meinung nach ihre eigenen Werte verraten haben (republikanisiert worden sind...). Auf Seite 99 äussert er sich in merkwürdiger Weise zum Verhältnis der Weissen zu den Schwarzen. Handfeste politische Bekenntnisse gemischt mit reinem Nonsense machen es unterhaltsam zum Lesen. Der Autor stellt sich allerdings als ziemlich naiv dar, weil viele seiner Statements emotional und wenig fundiert sind.
Im Jahre 1798 sind drei Menschen sind auf der Flucht vor den französischen Truppen in der Schweiz: Der ehemalige Schultheiss Steiger, sein Adjutant Dubi und die Magd Maria. Kurzweilige, historisch korrekte, aber recht leichte Lektüre.
Portrait von Josef Ackermann, von seinen Anfängen in Mels bis zu seinem Amt als Vorstandsvoritzender der Deutschen Bank. Das Buch weist einige Längen auf. Im Grossen und Ganzen fair.
Die Autorin beschreibt sehr detailliert das Leben von Anna von Gierke, die als Tochter des berühmten Rechtshistorikers Otto von Gierke durch Wohltätigkeitsarbeit mehr zufälligerweise zur Sozialarbeit kam. Sie ging vollständig in dieser Tätigkeit auf und wurde zu einer Triebfeder der deutschen Sozialeinrichtungen. Aus diesem segensreichen Wirken wurde sie Anfangs 30er Jahre durch die Arisierung herausgerissen und musste die öffentliche Arbeit fast vollständig niederlegen. Ein wertvolles Zeugnis einer starken Frau, die ohne den Nationalsozialismus noch viel mehr hätte leisten können.
Autobiografische Erzählung über seine Jugend (genaugenommen das neunte Lebensjahr) in der stalinistischen Mongolei. Der Autor ist Schamane, was im Rahmen der "Modernisierung" mit Gefängnis oder Tod bedroht ist. Die Erzählung endet mit der Lynchung seines grösseren Bruders. Am Anfang weiss man nicht, wohin das Buch will, doch dann gibt es interessante Einblicke in eine Welt, die für immer verschwunden ist. Das Ende ist höchst verwirrlich und wird wohl nur vom Autor selbst verstanden.
Eine bitterböse, enorm wirklichkeitsnahe und ziemlich glaubhafte Abrechnung mit dem Private Banking. Den Kunden werden marode Fonds angeboten, nur um Provisionen zu schinden. Derivate werden als todsichere Anlagen verkauft. Geld hat für die Banker selbst gar keine Bedeutung mehr, weil sie so viel verdienen, dass sie ständig am neuesten Porsche oder Ferrari herumstudieren. Es wird soviel Insider- und Fachwissen dargelegt, dass alles sehr glaubhaft wirkt. Ob es wirklich stimmt, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber meine Vorbehalte gegenüber den Banken sind damit nicht kleiner geworden.
Ein schwedischer Kommissar, Stefan Lindman, wird soeben mit Krebs diagnostiziert, als sein ehemaliger Vorgesetzter Herbert Molin in einer einsamen Gegend in Zentralschweden ermordet wird. Obwohl er nicht zuständig ist, beginnt er, sich in die Ermittlungen einzumischen und deckt schlussendlich ein grosses Netzwerk von Nationalsozialisten auf, dem sogar sein eigener Vater angehört hat. Spannende, anspruchslose Unterhaltung mit vielen Klischees.
Zwei französische Studenten kaufen einen 2CV und reisen 1958/59 rund um die Welt damit. Es erstaunt enorm, wie zilisiert Afrika damals war. Es gab eine Strasse von Kisangani nach Béni (DRC) und der Kongo wird als die Schweiz Afrikas bezeichnet! Die Studenten werden von ständigen Geldsorgen geplagt. Irgendwie finden sie stets eine Arbeit, mit der sie ihre Weiterreise finanzieren können (heute völlig undenkbar). In Thailand werden sie überfallen, in Pakistan erleiden sie einen schweren Unfall, weil sie auf der falschen Strassenseite fahren und mit einem korrekt fahrenden Bus kollidieren. Trotzdem schaffen sie es zurück bis nach Frankreich. Spannende Reiselektüre.
Die Geschichte der Demokratie von der griechischen Polisdemokratie bis zu den Demokratieansätzen der EU. Die Geschichte der Demokratie "in a nutshell". Anfangs recht interessant, gegen den Schluss hin zu theoretisch und schwer lesbar.
Jonas Lauretz ist ein Säufer und Tyrann, der seine Familie aufs Uebelste behandelt. Als seine Tochter Sylvia eine Erbschaft macht, nutzt er die Gelegenheit, dass sie noch unter seiner Vormundschaft steht und behändigt die Erbschaft. Die Familie beschliesst, ihn umzubringen; als Sylvia aus Zürich zurückkommt, ist er bereits begraben. Sylvia heiratet später den Untersuchungsrichter Andreas von Richenau. Die Familie und Sylvia leiden enorm unter der Ungewissheit. Andi, der sonst stets korrekt ist, entscheidet sich, die Sache zu vertuschen. Enorm gut geschrieben, obwohl gewisse Liebesszenen fast weh tun in den Zähnen... es erlaubt einem einen tiefen Einblick in die Schweiz der 1930er Jahre. Enorm realistisch.
Blank, ein Fusionsanwalt lernt Lucille, eine junge Frau kennen, die ihn zu einem Pilztrip überredet. Sein Charakter verändert sich komplett und er ermordet Menschen, die ihm im Wege stehen, ohne Reue. Blank wird zum Waldmenschen, der verzweifelt nach dem Pilz sucht, der seinen Charakter verändert hat, um mit einem zweiten Trip dies rückgängig zu machen. Die Geschichte endet mit einem Showdown zwischen dem reichen Financier Ott und Blank, wobei ersterer Blank tötet, weil Blank sein Gewissen wiederreicht hat. Hervorragend geschrieben, mit präzisen, gut recherchierten Details.
Der Universitätsprofessor Scha'ul Tirosch, der für seine Gedichte berühmt ist, und sein Assistent Ido Dudai werden am gleichen Wochenende ermordet. Die Untersuchungen von Inspektor Michael Ochajon bringen zutage, dass irgendetwas mit den Gedichten von Tirosch nicht stimmt. Seine Untersuchungen ergeben, dass diese eigentlich von einem russischen Juden, der in einem Gulag gestorben ist, geschrieben wurden. Spannende, hoch intellektuelle Lektüre.
Der Autor beschreibt etwas wirr und schwer nachvollziehbar seine inneren Auseinandersetzungen während seiner Vortragsreisen in Europa. Er beschäftigt sich mit der Frage, was Jüdischsein und was Ungarischsein bedeutet und was einem deshalb unterscheidet oder nicht unterscheidet, wobei er seine Hypothesen aufbaut und gleich wieder verwirft. Anspruchsvoll und schwer zu lesen.
Vorab wird von Boris Groys die schillernde Persönlichkeit und sein nach damaligen Erkenntnissen tatsächlich vorhandener Einfluss auf die russische Geschichte thematisiert. Das Vorwort von Klabund enthält weniger Informationen, geht jedoch in die gleiche Richtung, nämlich dass Rasputin keineswegs einen derartig negativen Einfluss auf den Zaren hatte, wie ihm nachgesagt wurde. Die Erinnerungen von Jussupoff scheinen teilweise vom Wunsch beseelt zu sein, seine Version glaubhaft zu machen, wobei einige Unstimmigkeiten auffallen. Jussupoff schleicht sich in das Vertrauen von Rasputin ein, dessen schillerende, faszinierende und von Gegensätzen durchsetzte Persönlichkeit auch ihm Eindruck macht. Er lockt ihn zu seinem Palast (da das Territorium wegen der Zugehörigkeit von Jussupoffs Frau zur Zarenfamilie Immunität geniesst) und ermordet ihn dort bestialisch. Das Buch zeigt einerseits auf, wie man sich eine Tat schönreden kann, andererseits ist ein schönes Beispiel für Verdunkelungshandlungen.
Der Titel ist etwas irreführend: Der Autor beschreibt eine Reise (1952-53) Ueberland über Athen, Saloniki, Anatolien, Tarsos, Iskenderun, Aleppo, Krak des Chevaliers, Damaskus, Baghdad, Babylon nach Jerusalem und Sinai. Packend erzählt, mit viel historischer Hintergrundinformationen, es beschreibt eine Welt, die so nicht mehr existiert.
Das erste Buch, die Kreutzer-Sonate ist die Geschichte einer zerrütteten Ehe. Posdnyschew, der seine Frau im Affekt erstochen hat, aber freigesprochen worden ist, erzählt auf einer Zugreise wie er sich von ihr entfremdet hat. Das zweite Buch, die Kosaken, erzählt die Geschichte von Mitri Andrejitsch Olenin, ein gelangweilter Adliger, der sich als Offiziersanwärter in ein grebenskisches Kosakendorf am Fluss Terek versetzen lässt. Mit den Tschetschenen von der anderen Flussseite gibt es einige Scharmützel. Olenin verliebt sich in die schöne Marjanka, die Tochter seines Zimmerwirts, die mit Lukascha, einem verwegenen Kosaken verlobt ist. Alles läuft auf einen Showdown zu, doch Lukascha wird in einem Scharmützel schwer verwundet. Meisterhaft geschrieben und viele Einschätzungen gelten auch noch heute.
Dieses ursprünglich im Eulenspiegel-Verlag erschienene Taschenbuch enthält Geschichten von DDR-Autoren, die ein recht menschliches Bild des Leben in der DDR, mit ihren übereifrigen Funktionären und der politischen Korrektheit zeichnen. Trotz aller Vorsicht, mit der die Autoren vorgehen mussten, sehr lustig und unterhaltsam.
Die Geschichten haben die Titel: Der Augsburger Kreidekreis, Ballade von der Judenhure Marie Sanders, Die zwei Söhne, Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus, Das Experiment, Ulm 1952, Der Mantel des Ketzers, Kinderkreuzzug 1939, Cäsar und sein Legionär, Die Teppichweber von Kujan-Bulak ehren Lenin, Der Soldat von La Ciotat, Frage eines lesenden Arbeiters, Der verwundete Sokrates, Mein Bruder war ein Flieger, Die unwürdige Greisin, Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration, Geschichten von Herrn Keuner. Die Qualität der Geschichten ist äusserst unterschiedlich, von sehr unterhaltsam erzählten Geschichten bis zu politischer Agitation und Chinoiserie, wozu eigenartigerweise auch die "Geschichten von Herrn Keuner" gehören. Ein Meister im Umsetzen historischen Stoffs in die Gegenwart.
Keiner konnte Anekdoten so treffend, mit soviel Esprit und so gebildet erzaehlen wie N.O. Scarpi (eigentlich Fritz Bondy). Er kombiniert juedischen Humor mit europaeischen Bonmots, das Resultat ist ein zeitloser Witz, der nie beleidigend wirkt, nie diskriminierend und nie ueberheblich. Als ich ein Kind war, las ich jeweils den Beobachter, den mein Vater abonniert hatte. Stets schlug ich als allererstes die Anekdoten von N.O. Scarpi auf. Nach fuenfzig Jahren sind diese Anekdoten noch genauso amuesant wie damals!
Das Buch erzählt das Leben von Karlheinz Böhm, der als Sohn eines berühmten Dirigenten geboren wurde und ohne Hilfe seines Vaters zum berühmten Schauspieler wurde. Wie er von den Sissi-Filmen geprägt und in eine Richtung gedrängt wurde, die ihm nicht behagte und wie ihm nachfolgende Produktionen zum Verhängnis wurden. Schlussendlich, wie er durch die ganz spontane Gründung der Aktion "Menschen für Menschen" aus seiner Midlife-Crisis fand. Wunderbar ungelenk geschrieben, mit vielen grammatischen Fehlern, wie der Aufsatz eines mittelmässigen Sekundarschülers, aber mit vielen, z.T. wohl zweifelhaften, Informationen.
Zwei norwegische Botschafter werden ermordet. Kriminalkommissarin Lisa Lunde und Psychologe Sander Mørk ermitteln. Nach viel Alkohol und Bettgeschichten findet Sander heraus, dass es gerade seine Bettgespielin war, die hinter den Morden steckte. Gut und flüssig geschrieben.
Elias Canetti beschreibt auf seine eigene Art und Weise, zutiefst menschlich, die Bewohner und Quartiere der Stadt Marrakesch in Marokko. Er besucht auch die Mellah, das juedische Viertel von Marrakesch. Ein ruhiges, beschauliches Buch, das den Bewohnern vom Marrakesch der 60er Jahre ein Denkmal setzt.
Das Tagebuch einer russischen Akademikerin, die aus recht gutsituierten Verhältnissen in Leningrad stammt. Durch die Blockade (die deutsche Armee belagerte Leningrad) wird sie zur Flucht gezwungen, denn es gibt nichts mehr zu essen und die Bombardierungen haben die Gebäude grösstenteils schwer beschädigt. Auf der Flucht nach Sibirien stirbt ihre Mutter. Ihren Sohn Dima, der in einem Lazarett untergebracht war, findet sie durch glücklichen Zufall wieder und die Familie lebt in Pjatigorsk. Die Stadt wird von der vorrückenden deutschen Armee eingenommen. In der neu wiedergefundenen Wirtschaftsfreiheit macht sie ein Café auf, das gut läuft. Als jedoch die Russen wieder vorstossen, muss sie mit ihrer Familie in die Ukraine flüchten. Dort wird sie aufgegriffen und zur Zwangsarbeit in Deutschland verpflichtet. Sie gerät in ein Lager in Polen, von wo aus sie eine Stelle in Bendorf organisiert, die besser als andere Zwangsarbeitsstellen zu sein verspricht. Sie erlebt die Höhen und Tiefen des Zwangsarbeiterlebens, bis die Stadt von den Amerikanern eingenommen wird. Das Buch besticht durch seine unparteiische und objektive Beschreibung der Menschen, die die Autorin auf ihrer Flucht trifft. Das Buch wirft ein völlig neues Licht auf die Kriegsgeschehnisse, die sonst stets auf „böse Deutsche - gute Russen“ reduziert werden. Offenbar gab es auch bei den deutschen Besatzern solche, die menschlich handelten und bei den Russen solche, die ihre Privilegien gnadenlos ausnutzten. Interessant ist es auch zu erfahren, dass diejenigen Zivilpersonen, die nicht evakuiert werden konnten und von den deutschen Linien überrollt wurden, nicht mehr zurück auf die russische Seite konnten, da sie eine harte Bestrafung wegen „Kollaboration mit dem Feind“ erwartete. Ein sehr menschliches und wertvolles Buch, flüssig geschrieben.
Kerzen für Maria: Im Nachkriegsdeutschland versucht der Protagonist, selbstgemachte Kerzen zu verkaufen. Damals in Odessa: Ein Soldat schleicht sich aus der Kaserne von Odessa und nimmt an einem Trink- und Essgelage teil. Wanderer, kommst du nach Spa...: Ein schwer versehrter Gymnasiast wird in seinem zum Lazarett umgewandelten Gymnasium eingeliefert. Aufenthalt in X: Ein Soldat im 2. Weltkrieg macht einen Zwischenstopp in der Nähe von Grosswardein (Rumänien). Abenteuer eines Brotbeutels: Ein Brotbeutel gelangt vom Polen des ersten Weltkriegs über Südamerika zurück zur Mutter des gefallenen Soldaten. Aschermittwoch: Die ehemalige grosse Liebe einer Ladeninhaberin borgt sich Geld, weil er arbeits- und mittellos ist. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Die Frau eines Geschäftsmannes wird dergestalt geisteskrank, dass sie ausrastet, wenn nicht jeden Abend Weihnachten gefeiert wird. Schicksal einer henkellosen Tasse: Das Leben einer Tasse von Deutschland nach Rom und zurück nach Deutschland. Der Geschmack des Brotes: Im völlig zerbombten Deutschland erbettelt jemand ein Stück Brot von einer Nonne. Doktor Murkes gesammeltes Schweigen: Ein Radiomitarbeiter sammelt Tonbandfetzchen mit gesammeltem Schweigen. Eine Kiste für Kop: Im Nachkriegsdeutschland erhält ein Schwarzmarkthändler eine Kiste Zuckerzangen aus Odessa. Der Bahnhof von Zimpren: Eine deutsche Erdölboomstadt verkommt, nachdem die Erdölvorräte versiegen. Als der Krieg ausbrach: Der Leerlauf in einer deutschen Kaserne 1939. Als der Krieg zu Ende war: Die Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft und der überbordende Schwarzmarkt. Keine Träne um Schmeck: Ein Professor klaut einem Studenten eine Idee, dieser will sich rächen, erst mit Prügel, danach aber mit einer kritischen Retrospektive. Du fährst zu oft nach Heidelberg: Ein Student gefährdet sein Studium durch den Kontakt mit Exchilenen. Die Qualität der Erzählungen ist äusserst unterschiedlich. Einige enthalten komplizierte Situationen, so dass ein Satz mehrmals gelesen werden muss, bis man die Message begreift. Böll schafft es, eine äusserst bedrückende Stimmung aufzubauen und das Grauen des Krieges ohne allzu explizite Beschreibungen darzustellen. Die meisten Geschichten dürften aus der Zeit bis 1945 stammen, die letzte jedoch lässt sich aufgrund der erwähnten politischen Ereignisse in die 1970er Jahre platzieren.
Mit dem Buch soll eine präzise Anleitung zu sorgloserem und erfolgreicherem Leben vermittelt werden. Dazu werden „Grundsätze“ benutzt, die garantiert zum Erfolg führen sollen: Lerne in Tageseinheiten zu leben; schlimmstmögliche Folgen akzeptieren und versuchen, Schadensminderung zu betreiben; etwas tun (Arbeitstherapie, Beschäftigungstherapie); sich nicht über Nebensächlichkeiten aufregen; Wahrscheinlichkeit, dass die befürchteten Dinge eintreffen, berücksichtigen. Glück komme von innen und habe mit äusseren Umständen nichts zu tun; Geist und Körper seien zu erhalten und zu trainieren. Es gäbe drei Seelenübungen: Jemandem einen Gefallen zu erweisen, ohne dass er es merkt; zwei unangenehme Dinge zu erledigen; erfreulich zu sein, sich nett anziehen, leise zu sprechen, höflich zu sein, oft zu loben, niemanden zu kritisieren, nicht zu nörgeln und nicht zu versuchen, andere zu ermahnen oder zu verbessern. Man solle allein für diesen Tag leben und nicht versuchen, alle Probleme des Lebens auf einmal zu lösen. Man solle sich ein Programm machen und die Zeit genau einteilen. Damit vermeide man Eile und Unentschlossenheit. Man solle sich eine ruhige halbe Stunde gönnen und sich entspannen. Man solle seinen Geist mit Gedanken an Frieden, Mut, Gesundheit und Hoffnung erfüllen, denn unser Leben sei das Produkt unserer Gedanken. Man sollte nie versuchen, mit seinen Feinden abzurechnen. Man solle sich auf Undankbarkeit gefasst machen. Man solle die Geschenke, nicht die Probleme zählen. Man solle niemanden nachmachen, sondern sich selbst sein. Man solle sein Unglück vergessen, indem man andere Menschen etwas glücklicher macht. Ungerechte Kritik sei oft ein verkapptes Lob, denn tote Hunde trete man nicht; Kritik solle man an sich abtropfen lassen; Ueber dumme Sachen, die man gemacht hat, solle man Buch führen und um sachliche Kritik bitten. Man solle Müdigkeit und Sorgen fernhalten und voll Energie und in gehobener Stimmung bleiben, indem man ausruht, ehe man müde wird; sich bei der Arbeit oder zuhause entspannt; alle Papiere wegräumt, die nicht zur augenblicklichen Arbeit gehören, Dinge in der Reihenfolge der Wichtigkeit erledigt und Probleme sofort löst, wenn die Entscheidungsgrundlagen feststehen; organisiert, delegiert, beaufsichtigt und selbst belanglose Arbeit mit Begeisterung verrichtet.
Das Buch erscheint im Stile eines Reader’s Digest Ratgebers, nämlich marktschreierisch, besserwisserisch, rechthaberisch, mit dem Anspruch, die alleinige Wahrheit darzustellen. Das stetige „namedropping“ von Namen, die in Europa völlig unbekannt sind, nervt. Einige Punkte mögen gut sein, viele sind naheliegend, banal und offensichtlich, einige so amerikanisch, dass eine Uebertragung auf europäische Verhältnisse ausgeschlossen scheint. Grundsätzlich wird nämlich von den Verhältnissen eines mittelständischen amerikanischen Selbständigerwerbenden ausgegangen, nicht von denen eines europäischen Arbeitnehmers; viele der erwähnten Grundsätze sind unter anderen Voraussetzungen nicht mehr praktikabel. Die Abhandlung erscheint unwissenschaftlich; vieles wird vom Hörensagen zitiert, echte Quellenzitate sind selten. Einige der (möglicherweise korrekt zitierten) Aussagen dürften nicht der Wahrheit entsprechen. Das Skript zum Buch stammt aus den 1940er Jahren (es erschien erstmals 1948) und ist nicht mehr zeitgemäss. Die wenig lehrreichen „Testimonials“ am Ende erscheinen wie eine Mischung von Selbstkritiken anonymer Alkoholiker und Mitgliedern evangelikaler Clappy-Clappy Kirchen. Die Uebersetzung aus dem Englischen ist grottenschlecht und der Sinn mancher Sätze erschliesst sich erst bei der Rückübersetzung.
Eine Autobiografie der Jugend des bekannten kolumbianischen Autors. Seine Jugend in der Region von Cartagena und Aracataca, seine Gymnasialzeit in Zipaquira. Weiter geht es mit dem wenig ernsthaften Jura-Studium in Bogota, der Revolution des 9. April 1948 und seiner Flucht nach Baranquilla, seinem Leben als Zeitungsreporter in Cartagena, Baranquilla und zurück in Bogota. Wir erleben seine zahlreichen Exzesse, hunderte von Namen von Leuten, die er getroffen hat (wie konnte er sich alle diese komplizierten Namen merken?), den Glauben an sein Talent, den alle, die mit ihm zu tun hatten, äusserten. Es endet mit seiner Flucht nach Genf, als er wegen eines Artikels über einen geretteten Matrosen in ernsthafte politische Schwierigkeiten gerät. Meisterhaft geschrieben, spannend wie ein Thriller, was erstaunt, da das Buch kaum gegliedert ist und weder Untertitel noch Absätze aufweist.
Der Autor beschreibt verschiedene Stationen von Reisen, die ihn offenbar rund um die Welt führten. Während des Lesens schrieb ich: "Seine Sprache ist ausschweifend und gefüllt mit Worthülsen, offenbar unumgänglich um Trends zu markieren. Das Buch hat mit Parallelen zu einem Microsoft-Programm: Es benötigt enorm viel Platz, um schlussendlich einen winzigen Teil Inhalt hinüberzubringen.". Nachdem ich einen Reisefilm auf Phoenix nur gehört hatte (ich war am Abwaschen und konnte nicht hinsehen) wurde mir klar, dass der Autor hier eigentlich einen Off-Kommentar zu einem inneren Film abgibt. Interessant ist, dass seine Geschichten gegen den Schluss des Buches hin wesentlich substanzierter werden. Sie lassen jedoch stets einen weiten Raum für Interpretation, ob es sich um eine Innenschau oder wirklich Erlebtes handle.
Der Autor legt vorerst anhand von umfangreichen statistischen Daten dar, dass die deutsche Wohnbevölkerung einem Trend zur dramatischen Abnahme unterlegen ist, während sich die Immigranten, die sich v.A. aus arabischen und türkischen Einwanderern (vom Autor generell und vielleicht weder völlig zutreffend noch geschickt als „muslimische Immigranten“ bezeichnet) rekrutieren, mit den gleichen Zuwachsraten wie in ihren Heimatländern vermehren. Weiter beklagt er, dass sich die bildungsfernen Schichten wesentlich stärker als die bildungsnahen Schichten vermehrten, weshalb eine Verdummung der Nation eintrete, welche schlussendlich darin gipfeln werde, dass Deutschland seinen Rang als erstklassige Technologienation in der Welt verlieren werde. Weiter beklagt der Autor, dass das deutsche Wohlfahrtsystem diejenigen Einwanderer anlocke, die an möglichst hohen Transferzahlungen interessiert sind, ohne arbeiten zu wollen. Das System setze die Einkommensgrenze, ab welcher ein Immigrant zur Arbeit bereit sei, unnötig hoch hinauf und belohne kinderreiche Immigrantenfamilien mit „Sparquoten“, da für Kinder mehr Transfergelder bezahlt würden, als minimal dafür aufgewendet werden müsse. Bezüger von Transfergeldern hätten keinerlei Anlass, sich aus diesem System wieder zu befreien, da ein komfortables, im Vergleich zum Heimatland sogar luxuriöses Leben möglich sei, ohne dass die geringste Eigenleistung erbracht werden müsse. Dies locke immer mehr Immigranten aus muslimischen Ländern an, so dass die Bundesrepublik Deutschland drohe, ein islamisches Land mit vorwiegend arabischer und türkischer Bevölkerung zu werden. Der Autor argumentiert scharf und belegt seine Aussagen mit Statistiken und Quellenangaben, so dass die oft gehörte Kritik, es handle sich um eine pseudowissenschaftliche Abhandlung, an der Sache vorbeigeht. Seine Wortwahl ist wohl unnötig deutlich. Seine Annahme, dass die Mehrzahl der von ihm beschriebenen Wirtschaftsflüchtlinge aus muslimischen Ländern kämen, ist wohl eine der wenigen Aussagen in seinem Buch, die er nicht weiter belegen kann. Bei der Analyse der Ursachen für die rückläufige Geburtenrate der Deutschen ist anzumerken, dass der Autor die Problematik der gescheiterten Ehen völlig ausklammert. Im jetzigen System sind Kinder ein Armutsrisiko für Männer, weil diese beim Scheitern der Ehe (und das dürfte doch in rund der Hälfte aller Ehen vorkommen) in aller Regel auf das Existenzminimum gesetzt werden, während die Ehefrau das Sorgerecht für die Kinder erhält und den bisherigen Lebensstandard beibehält. Bei nichterwerbstätigen Männern zeitigt die Ehescheidung keinerlei finanziellen Folgen. Eine Aenderung dieser Praxis hätte wohl einen weitreichenden Einfluss auf Bevölkerungszuwachsrate in Deutschland. Grundsätzlich gelten die von Sarrazin gemachten Aussagen auch für die Schweiz, teilweise sogar in vermehrtem Ausmasse, da die Schweiz einen weit höheren Einwandereranteil als Deutschland hat, wenngleich sie hierzulande teilweise besser integriert sind. Es wäre völlig verfehlt, den Autor aufgrund seines Buches in die rechte Ecke abzudrängen. Seine Sorge um den Intellekt und die Eigenheit der Deutschen ist wohl durchaus berechtigt. Eigentlich spricht er nur das aus, was offensichtlich ist und zeigt Missstände auf, anstatt sie totzuschweigen. Es ist ein typischer Auswuchs unserer heutigen Gesellschaft, dass die politische Korrektheit bis zur völligen Selbstaufgabe gehen soll. Die Verkaufszahlen zeigen, dass das Buch nötig gewesen ist und ich zweifle, dass diejenigen, die das Buch kritisieren, es auch gelesen haben. Dieses politisch so inkorrekte Buch hat eine spannende Diskussion angeregt, die ohne es wohl gar nie stattgefunden hätte und die noch über viele Jahre weitergehen wird.