Manso (Wanderungen)

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  • By: lenel

12.06.2017 Manso
Zum Frühstück kriege ich doch noch Haferflocken. Das ist sehr erfreulich! Zudem kriege ich den Code für das Wifi beim Wohnhaus der Inhaberin des Hostels. So setze ich mich auf ein Mäuerchen und lade das gestrige Tagebuch hoch. Die Wasserflasche muss ich im Badezimmer füllen; am Brunnen trinkt eine Kuh direkt vom Rohr und ich möchte nicht ihre Spucke mit abfüllen. Danach mache ich mich auf zum Refuge de Puscaghja. Leider kann ich die Markierungen, die in dunklen Farben gehalten und oft überwachsen sind, kaum sehen. So bin ich am Dorfende ratlos, wie es weitergeht. Weit und breit sind keine Markierungen mehr zu sehen. Ich nehme einen Weg auf gut Glück. Er bringt mich rasch nach oben, was mit der Beschreibung, dass man viele Höhenmeter überwinden müsse, übereinstimmt. Ich gelange so zu einer Alp, die ganz mit Disteln überwachsen ist. Dort verliert sich der Weg wieder und ich muss lange suchen, bis ich eine Fortsetzung finde. Beim Ausgang des Weges in einen steilen Hang steht ein schwarzes Yamaha Quad, ohne Vorderräder. Offenbar schon sehr lange, wie die Witterungsspuren zeigen. Schade um das hochwertige Gefährt. Der Weg ist viel zu schmal, um das Gerät wieder nach unten zu bringen, auch wenn die zwei Räder wieder dran sind. Ich laufe weiter und gerate auf einen Weg, der wohl schon seit Jahren nicht mehr begangen worden ist. Teilweise ist er ziemlich zugewachsen, unglücklicherweise mit Brombeerranken, die hier überall wuchern. So hole ich mir viele Schrammen und Stiche. Teilweise ist der Weg abgerutscht, so dass man auf gefährlich schrägem Terrain auf rutschigem Sand gehen muss. Schliesslich geht es wieder abwärts und ich komme auf einen Fahrweg, der wohl auch schon seit vielen Jahren nicht mehr befahren worden ist, wie die Brombeerranken, die überall in den Weg hineinwachsen, zeigen. Nach einigen Kilometern, am Ende des Fahrweges, befindet sich ein kleiner Damm für den Bach und eine Trinkwasserfassung. Hier geht es einfach nicht mehr weiter. Ich probiere alles, was wie ein Weg aussieht, aus, doch erfolglos. So laufe ich genau den gleichen Weg wieder zurück. Die Abzweigung des Fusswegs vom Fahrweg hatte ich mit einem Pfeil aus Aesten markiert, so finde ich sie problemlos wieder. So klettere ich wieder in die Höhe und esse meine mitgebrachten Sandwiches auf einem Felsen, von dem aus ich das ganze Tal einsehen kann. Es darf mir nur nichts herunterfallen, es würde wohl mehrere hundert Meter weit fallen. Die Eineinhalbliterflasche Wasser, die ich mitgenommen habe, mag meinen Durst nicht stillen. Ich kehre also in die Gite a Funtana zurück, wo ich die Flasche zweimal nachfüllen muss, bis ich genug habe. Dann mache ich mich auf, doch noch die eigentlich heute morgen vorgesehene Route abzuwandern. Schliesslich kann es nun nur noch der andere Weg sein. Tatsächlich finde ich eine etwas abgenützte Markierung. Bis zum Refuge de Puscaghja wird es jetzt wohl nicht mehr reichen, doch einen Teil der Wanderung kann ich ja noch absolvieren. Auf einem recht guten und ausreichend markierten Pfad laufe ich bis zum Boucle de Mont'Estremu. Dort gibt es wieder einen Wegweiser und ich komme auf einen ehemaligen Fahrweg. Da die Zeit schon vorgerückt ist, entschliesse ich mich, den Fahrweg zurück nach Manso zu nehmen. Bald merke ich, warum der Weg nicht mehr befahren wird. Die Brücke über einen Bach wurde wohl in einem Unwetter zerstört. Den Bach, der jetzt fast trocken ist, überquere ich problemlos auf den Steinen. Auf der anderen Seite der Brücke hat es einen parkierten Geländewagen, also kann man bis hierher fahren. Ich wandere auf dem Fahrweg, der über einige Steinbrücken über den Fango-Fluss führt, Richtung Manso. Die Aussicht auf die Berge und die Schlucht des Fango ist fantastisch. Schliesslich komme ich zu einer Stelle gegenüber der Gite A Funtana. Ich klettere hinunter, kämpfe mich durch unzählige Brombeerranken ans Flussufer, überquere diesen auf den Steinen und klettere auf der anderen Seite wieder hoch. Ich sollte nun direkt unterhalb meines Ziels sein. Weil ich mir nicht ganz sicher bin, laufe ich bis zur Teerstrasse, wo ich mich besser orientieren kann. Dann kämpfe ich mich einmal mehr durch Brombeerranken den Hügel hinauf, bis ich direttissima zur Gite a Funtana gelange. Dort plaudere ich noch eine Weile mit der einen Angestellten der Gite. Sie kommt aus Tahiti!