Alghero

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  • By: lenel

01.07.2017 Alghero
Um acht Uhr früh laufe ich in die Stadt. Touristen hat es um diese Zeit noch keine. Der Himmel ist noch dunkel von den Gewitterwolken, doch die Sonne scheint. Ich laufe zum Torre di Sulis, dem Torre di San Giovanni, dem Largo San Francesco, der Piazza Porta Terra mit dem Torturm, zum Forte della Maddalena (das innen völlig zerstört ist, es stehen nur noch ein Teil der Umgebungsmauern), zur Banchina Dogana, zur Piazza Civica, zur Cattedrale di Santa Maria, zum Torre de la Polveriera (dort, wo das ehemalige Ghetto dei Ebrei war), zur Chiesa di Santa Barbara, zur Chiesa di Santa Anna Intra Moenia, zur Piazza Teatro, zum Torre di San Giacomo, zur Chiesa della Misericordia, zur Piazza Ginnasio, zur Chiesa di San Michele (die sogar bereits offen ist und einen Seitenaltar mit einem Bild von St. Ignatius von Loyola hat, also wohl jesuitisch ist). Als ich den Lungomare Valencia herunterlaufe, fällt mir ein verlassenes Gebäude an bester Lage auf, möglicherweise ehemals ein Restaurant oder ein Bad. Ich besuche den Zweit-Weltkriegs-Bunker "Balaguer", eigentlich zwei mit einem Gang miteinander verbundene Maschinengewehrnester in den Küstenfelsen drin. Dann gehe ich einkaufen und zurück zur Unterkunft, um den Scooter zu holen. Damit fahre ich nach Fertilia, einst ein Projekt von Mussolini, auf der ganzen Linie gescheitert. Die römische Brücke hat überlebt (sie ist nicht mehr ganz komplett, endet inmitten des Flusses), doch die Stadt macht einen verlumpten Eindruck. Auf der zentralen Piazzale San Marco gibt es einige Gebäude, die verlassen sind und auch das zentrale Hotel ist längst geschlossen. Es findet gerade ein Wochenmarkt statt. Ein Wandbild ist offensichtlich aus der Zeit des Duce. Ich fahre weiter zum Palmavera Nuraghischen Komplex, einem Dorf mit Nuraghe. Erstaunlich ist, dass die Fundamente der Rundhütten des Dorfes sehr gut erhalten sind, insbesondere die grosse Versammlungshütte, in deren Mitte das Modell eines Nuraghe steht. Der Nuraghe selbst ist in einem miserablen Zustand und droht, einzustürzen, wenn nicht bald etwas unternommen wird. Nach oben darf man schon lange nicht mehr. Ich fahre nun weiter Richtung Capo Caccia. Beim verlassenen Hotel Capo Caccia halte ich und wandere auf den Hügel zum Torre di Tramariglio. Beim Weiterfahren entdecke ich einen weiteren Turm, den Spanischen Turm. Schliesslich gelange ich ans Capo Caccia, zum oberen Ende der Treppe (Escala del Cabirol = Rehtreppe), die zur Grotte di Nettuno führt. Eine halbe Stunde muss ich warten, dann kann ich an der „Führung“ teilnehmen. Die Ausführungen der Führerin verstehe ich wegen dem Echo in der Tropfsteinhöhle nicht. Allerdings ist es schon ganz etwas anderes, eine Tropfsteinhöhle, in der Wasser steht, zu sehen. Das Wasser kommt vom Meer, sickert durch die Felsen durch, ist also Salzwasser. Die Stalaktiten und Stalagmiten sind nicht so präzise ausgeformt wie anderswo, sie scheinen wie von einer groben Schicht überzogen, die alle Formen ausglättet. Nach der Besichtigung muss ich die rund 656 Stufen wieder hinaufsteigen. Eine Tortur für mein kaputtes Knie. Bei der Villa Romana S. Imbenia halte ich kurz. Die Site ist nicht mehr der Oeffentlichkeit zugänglich und scheint zu verrotten. Nun fahre ich zur Nekropolis von Anghelu Ruju (4200-1800BC). Insgesamt 38 Katakomben hat man hier gefunden. Bei den meisten fehlt die Decke. Diese wurde meist absichtlich entfernt, da man sie als zur Hälfte bereits zugeschnittenes Baumaterial verwendete. Ich besuche das Grab A No 2 mit den (nur sehr schwer sichtbaren) Stierköpfen, das Grab V No 3, das Grab XIX No 3, das Grab XIII mit ganz kleinem Einstieg, das Grab III No. 4, das Grab C No 5 (Brunneneinstieg), das Grab XXVIII No 5 (stylisierte Stiere), das XXX No 6 (Decke fehlt), das Grab XXV-XXIX No 6, das Grab XXIII No 7, (weitgehend zerstört), das Grab XX No 7, das Grab II No 7 (diente eine Zeitlang als Wohnhöhle) und das Grab XXbis No 8 (gross, mit Treppe zum Einstieg). Ich fahre zurück nach Alghero, fette die Kette des Scooters (die das schon lange hätte nötig gehabt), laufe noch ein wenig durch die Altstadt, zur Banchina Dogana, zum Torre di Sant' Elmo, zum Stadtpark und quer durch die Stadt zurück zu meiner Unterkunft.