07.06.2018 Auxerre-Chambord

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  • By: lenel

Ich erkunde noch einmal Auxerre, heute diejenigen Teile, die ich gestern noch nicht besucht habe. Noch immer plagen mich Schmerzen im linken Fussgelenk. Ich gelange zur Place des Cordeliers und laufe dann hinunter zum Fluss Yonne. Schliesslich fahre ich los, Richtung Pontigny, das ich gestern mangels Zeit ausgelassen habe. Leider ist die einzige Zugangsstrasse vollständig gesperrt. Eine Umleitung gibt es nicht. Ich fahre auf winzigen Strassen und versuche immer wieder, Richtung Pontigny zu stossen, doch zwecklos, überall steht: „Route bloquée“. Schliesslich gelange ich von Norden her nach Pontigny, doch selbst hier sind alle Zugangsstrassen gesperrt. Schliesslich fahre ich von Nordosten her ins Dorf hinein, trotz der Verbotstafeln. Ich bin bass erstaunt, als die Strassenarbeiten längst abgeschlossen sind und man offenbar das Dorf seit Monaten vollständig abriegelt, obwohl das gar nicht mehr nötig wäre. Die Abbaye (L'Abbaye de Pontigny) finde ich leicht. Sie besteht vor allem aus einer monumentalen Kirche, in schönster Gotik. Die Orgel (1643) wurde aus einer anderen Abtei übernommen und musste mehrmals vollständig restauriert werden. Ein grosser Friedhof ist auf der Südseite, auf der gegenüberliegenden Seite ein Garten. Ein gutes Foto der Abtei schaffe ich aber nicht, da alles im Gegenlicht ist. Ich laufe zurück zum Scooter und fahre durch die kleinen Strassen des Dorfes, bis ich eine Strasse finde, von der aus die Abtei gut sichtbar ist, mit der Sonne im Rücken. Dann mache ich mich auf Richtung Chambord. Doch das ist gar nicht so einfach. Nach langer Fahrt über die Dörfer, wo man immer wieder mit 30km/h fahren muss, komme ich an eine Abzweigung, wo einmal mehr steht: Route bloquée. Keine Chance, durchzukommen. Es bleibt mir nur die Route über Montargis. Immerhin ist ab Montargis eine autobahnähnliche Schnellstrasse, wo ich eine Stunde lang mit 90 fahren kann. Damit kann ich etwas vertane Zeit aufholen. Kurz vor Orleans, in Chateauneuf-sur-Loire, biege ich von der Schnellstrasse ab und fahre Richtung Chambord. Erst um 16:15 Uhr komme ich in Chambord an. Ich muss den Töff enorm teuer parkieren und kaufe eine Eintrittskarte für das Schloss. Nun besichtige ich das Märchenschloss, das wie aus einem Disney-Film aussieht, mit seinen vielen runden Türmchen. Dabei war es bei seinen Eigentümern gar nicht so beliebt, denn im Winter war es eiskalt und im Sommer von Mücken verseucht. Im Jagdzimmer hat es Jagdtrophäen, in der Kammer dahinter die eigenartige Jägerknöpfesammlung des Bernard Tollu. Im ersten Stock ziert eine zentrale Stelle eine Büste von Louis XIV. Die Cheminees haben echte Gebrauchsspuren und riechen auch so. Es gibt einen Thronsaal, einen Flügel von François Ier, ein Paradezimmer, ein Salon de Compagnie sowie in einem Flügel eine Kapelle. Im zweiten Stock ist die Ausstellung Devenir Traces von Jerome Zonder zu sehen. Unheimliche Bilder, mit Graphitstaub gemalt. Draussen wird ein Musikfestival mit Sound & Light aufgebaut. Die Musiker testen schon mal die lautstarke Verstärkeranlage. Um sechs Uhr wird geschlossen. Ich fahre zurück nach Crouy-sur-Cosson, wo ich ein Zimmer in der netten Herberge „Ustaux des Pins“, ein Ableger der örtlichen Bäckerei, gebucht habe. Zum Abendessen fahre ich nach La Ferté Saint Cyr, wo es ein paar Restaurants hat. In einer Pizzeria esse ich, während die Schwalben in den Nestern an der Dachuntersicht einen Riesenkrach veranstalten.