10.06.2018 Tours-Angers

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  • By: lenel

Es regnet, als ich Richtung Chinon abfahre. Der Regen wird immer stärker. Ich ziehe das Regenzeug an, gerade rechtzeitig, denn es beginnt wie aus Kübeln zu giessen. Völlig durchnässt komme ich in Chinon an, packe das durchnässte Regenzeug auf den Scooter, kaufe mir noch ein Brötchen als Belohnung für die schlimme Regenfahrt und gehe zur Fortresse, die gerade aufmacht. Den Anpreisungen im Prospekt kann es nicht ganz gerecht werden, denn es ist nicht mehr viel von der ehemaligen, eindrücklichen Festung vorhanden. Durch den Uhrenturm komme ich in den Innenhof. Vorab besuche ich den Hundeturm, dessen unterer Teil noch intakt ist. Mit Treppen kann man bis auf das Niveau des Burggrabens hinuntersteigen. In den Türmen werden Minimalmusikwerke gespielt. Nun besuche ich die königlichen Gemächer, die allesamt frisch renoviert, jedoch nicht möbliert sind. Die Decken sind mit einer Art Schindeln bedeckt. Das gilt auch für das Gemach von Karl VII. Ein Raum ist Jeanne d’Arc gewidmet. Ein Wandteppich zeigt, wie sie den zukünftigen König Karl erkennt. An der Ecke besuche ich noch den Mühlenturm. In der Mitte des Hofes steht der Tour Coudray, in dem man wiederum nach unten steigen kann. Auch hier fehlt der obere Teil. Im Turm drin gibt es einen tiefen Ziehbrunnen. Schliesslich besteige ich noch den Uhrenturm, in dem ein Nachbau und ein Original eines historischen Uhrwerkes stehen. Unterdessen ist die Sonne herausgekommen. Ich laufe zum Lift, der ins Dorf hinunter führt, und überquere die Brücke über den Fluss Vienne. Von dort aus habe ich eine gute Sicht auf die Festung, die von hier aus viel eindrücklicher erscheint als von oben. Im Carrefour City kaufe ich etwas zum Mittagessen und esse dies auf einem Bänkli am Fluss Vienne. Danach laufe ich durch die Altstadt. In der Eglise Saint-Etienne ist gerade Gottesdienst, so dass ich nicht hinein kann. Ich laufe bis zum Ancienne Collegiale St. Mexme. Auf dem Weg sehe ich eine Strasse mit einem lustigen Namen: Rue du Pot de Chambre. Unterdessen ist der Gottesdienst aus und ich kann die Kirche auch noch besichtigen. Eine grosse Statue von Jeanne d’Arc steht auch hier. Ich kehre zurück zu meinem Scooter, muss aber noch mein Regenzeug auf dem heissen Trottoir trocknen, denn dermassen nass kann ich es nicht einpacken. Es trocknet rasch. Ich fahre zum Chateau de Brézé. Unter dem Schloss ist eine gewaltige Untergrundanlage aus dem weichen Kalkstein gehauen worden. Es gibt Wohnhöhlen, Ställe, Getreidesilos, Brotöfen, eine ganze Schlossküche/Bäckerei (Troglodytische Küche) und einige grosse Hallen, die einfach durch den Abbau des Kalksteines, den man für die Konstruktion des Schlosses benötigte, entstand. In einem Raum ist eine Seidenraupenzucht untergebracht gewesen (Magnanerie), in einem anderen grossen Raum drei Weinpressen, die bis 1976 gebraucht wurden. Noch heute wird hier Wein produziert. Einige offenbar noch gebrauchte Weinkeller zweigen vom zentralen Cave Saint Vincent ab. Ich telefoniere meinem heutigen Gastgeber meine ungefähre Ankunftszeit durch und fahre los. Doch ich habe mich gewaltig verschätzt. Weil in den Dörfern nur noch 30 gefahren werden darf, brauche ich fast doppelt so lange wie erwartet. Doch der Vermieter des „Studio Hypercentre“ ist mir nicht böse. Ich beziehe mein Zimmer unweit des Zentrums von Anger und laufe noch einmal los, um die Stadt zu besichtigen. Erst komme ich zur Kathedrale, doch auch hier ist ein Gottesdienst im Gange – es ist ja Sonntag. Dann laufe ich zur äusserst eindrucksvollen Burg, mit gewaltigen Türmen und einem tiefen Burggraben, in dem wunderbar gestaltete Blumenbeete sind. Ich überquere die Loire und gelange zum Hafen, wo einige holländische Hausboote vor Anker liegen. Von hier aus hat man eine schöne Aussicht auf die Festung. Zurück im Stadtzentrum laufe ich am Tour Villedon vorbei zur Place Saint-Eloi mit dem Tour Saint-Aubain, offenbar ein ehemaliger Kirchturm. Bei der Place Michel Debré wende ich. Leider kann man immer noch nicht in die Kathedrale hinein. An der Ancien Eveché vorbei laufe ich Richtung meines Zimmers. In einem Café nehme ich einen Kebab mit Pommes – eine riesige Portion kriege ich – und ruhe mich etwas aus, bevor ich wieder zurückkehre.