05.07.2018 Grenoble-Bourg-Saint-Maurice

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  • By: lenel

Das schöne Wetter ist definitiv vorbei. Als ich morgens um sieben Uhr abfahre, regnet es leicht. Der Himmel ist mit dunklen Regenwolken bedeckt. Es ist kalt. Trotzdem will ich noch auf die Alpe d'Huez fahren, bevor ich zum Col de Lautaret weiterfahre. Die Strecke windet sich um endlose Kurven. Viele Velofahrer sind unterwegs und wollen diese strengste Etappe der Tour-de-France nachvollziehen. Auch viele schwere Lastwagen, denn oben herrscht rege Bautätigkeit. Eine Zeitlang bin ich in einer Nebelwolke drin, danach komme ich heraus und es scheint sogar die Sonne. Alpe d’Huez teilt sich in Village d’Alpe Huez, das noch einigermassen ursprünglich wirkt, und den modernen Wintersportort Alpe d’Huez mit seinen riesigen Wohnblöcken und Hotels, Supermärkten etc. auf. Sogar eine Tankstelle gibt es! Ich fahre bis zum Ankunftsplatz der Tour-de-France. Weiter geht es eh nicht mehr. Danach fahre ich auf der zweiten Strasse wieder ins Dorf herunter und über die kurvenreiche Strasse wieder nach Le-Bourg d’Oisans herunter. Nun halte ich Richtung Col du Lautaret. Kurz vor der Passhöhe, in La Grave La Meije tanke ich nochmals auf. Auf dem Col du Lautaret biege ich links ab und erklimme den Col du Galibier. Oben scheint die Sonne, Motorradfahrer und Velofahrer machen die üblichen „Beweisfotos“. Es geht weiter zum Col du Telegraphe, wo ich nur kurz halte. In Saint-Michel de Maurienne tanke ich auf. In Fourneaux halte ich nochmals und kaufe mir etwas zum Mittagessen. Bei der Weiterfahrt fällt mir eine riesige Festung auf, die auf einen Felsvorsprung gebaut worden ist. Es handelt sich um das Fort Victor-Emmanuel (1819), eines der Forts des Esseillon, vom damaligen Savoyisch-sardischen König gebaut, um eine französische Invasion abzuwehren. Ich halte, erkundige mich und erfahre, dass ich über die Teufelsbrücke (Pont du diable) die hier 80m tiefe Schlucht der Arc überqueren und danach den Berg hochlaufen muss. Das mache ich so und gelange zur Festung, welche ich erkunde. Es gibt einige Gefängnistrakte (hier wurden politische Gefangene verwahrt), Kasernen, eine Bäckerei und eine grosse Kapelle (leider völlig verwüstet). Türen und Fenster fehlen fast alle. Der Zustand ist leider sehr schlecht. Ich laufe zurück zu meinem Motorrad und fahre weiter. So gelange ich zum unspektakulären Col de la Madeleine. Bei der Auffahrt zum Col d'Izeran sehe ich bereits, dass hier überall schwarze Wolken hängen und es nach Regen aussieht. Gerade als ich, vier Kilometer vor der Passhöhe, bei einem Schneefeld angehalten und das Regenzeug angezogen habe, fängt ein fürchterliches Gewitter an und ich muss mich beeilen, alles wasserdicht zu machen. Die Fahrt über die Passhöhe wird zur Regenprobe. Es schlägt einem den Regen mit voller Wucht ins Gesicht. Dazu ist es eiskalt, wohl im tiefen einstelligen Bereich. Auf der Passhöhe wird der Regen zu Graupel. Ich halte kurz an, mache ein Foto, mag aber in meinem regennassen Zeug gar keinen Schutz im Restaurant suchen, denn ich triefe vor Wasser. So beisse ich auch die Zähne – die Finger fühle ich gar nicht mehr – und fahre wieder herunter, Richtung Val d’Isere. Stellenweise hört der Regen auf oder wird zumindest etwas weniger heftig. Doch jedesmal, wenn ich glaube, wieder die wärmeren Lederhandschuhe anziehen zu können, geht der Gewittersturm wieder von vorne los. Drei oder viermal mache ich das Spielchen mit. Mitten in diesem Regensturm rufe ich noch die Zimmerwirtin an und teile ihr meine ungefähre Ankunftszeit mit. Als ich in Bourg-Saint-Maurice ankomme, tanke ich erst einmal auf. Dann fahre ich zum Chalet Reinette, wo mich die sehr netten Vermieter bereits erwarten und heranwinken. Die Uebergabe ist völlig unkompliziert. Ich beziehe die Einliegerwohnung, den Scooter kann ich in die Garage stellen, so können die völlig durchnässten Sacochen trocknen. Obwohl das Gewitter droht, hierhin zu ziehen, fahre ich nochmals rasch ins Dorf und hole mir im Supermarkt ein riesiges Nachtessen. Gerade noch rechtzeitig komme ich zurück, die ersten Regentropfen fallen bereits. Jetzt regnet es draussen heftig, während ich am Trockenen sitze. Der Wetterbericht für morgen ist leider äusserst schlecht.