02.09.2017 Senj-Spittal an der Drau

  • Posted on: 3 September 2017
  • By: lenel

Die ganze Nacht hat es in Strömen geregnet. Früh am Morgen zieht nochmals ein Gewitter über Senj. Doch als ich abfahre, hat es aufgehört zu regnen. Nur noch feine Regentropfen hängen in der Luft. Ueber den Inseln hängt eine eigenartige Stimmung, denn durch einen Spalt in der Wolkendecke wird ein Sonnenstrahl darauf projiziert. Durch die Stadt Rijeka muss ich durch, um die Strasse nach der Grenze zu erwischen. Ausgangs Rijeka tanke ich noch für das, was ich meine dass es meine letzten Kuna seien. Der Grenzübertritt nach Slowenien erfolgt problemlos, obwohl die Grenze nun wieder kontrolliert wird. Kurz nach der Grenze finde ich noch eine vergessene 50-Kuna-Note, die ich in Euro umtausche. Durch bewaldete, hügelige Landschaft geht es nach Postojna. Es regnet. Der Himmel ist dermassen dunkel mit Wolken bedeckt, dass man meinen könnte, es sei Nacht. Kurz vor Postojna fahre ich auf die Autobahn. Einen gewaltigen Stau durchfahre ich zwischen den Autokolonnen. Die Ursache ist, dass es auf der Gegenfahrbahn einen schweren Unfall gegeben hat und nun alle am Gaffen sind. In Ljubljana fahre ich von der Autobahn. Ich muss tanken und etwas zu Essen finden. Zum Essen finde ich in diesem Stadtteil aber restlos nichts, so dass ich nochmals auf die Autobahn und ins Zentrum fahre. Hier finde ich immerhin einen „Subway“ am Stadtrand, wo ich mir ein grosses Sandwich leiste. Zurück auf der Autobahn, fahre ich Richtung Jasenice, in fast völliger Dunkelheit. Es regnet einmal mehr, einmal weniger. In Jasenice ist mein Benzin alle und ich muss von der Autobahn abfahren. Ich tanke nach. Auf der Landstrasse fahre ich weiter, denn es ist ein Riesenstau im Karawankentunnel angesagt. So fahre ich wieder nach Krajnska Gora und auf den Wurzenpass, dessen Strasse bei diesem Regen schlüpfrig ist, abgesehen von den enormen Steigungen. Um drei Uhr bin ich oben, stelle den Scooter ab und laufe ein paar hundert Meter zum Bunkermuseum. Oesterreich hatte hier eine Bunkeranlage, weil es während des kalten Krieges und insbesondere im Jugoslawienkrieg Angst hatte, dass sein Land von Warschauer-Pakt-Staaten überrollt werden oder ein Krieg nach Oesterreich überschwappen könnte. Die Bunkeranlagen wurden klar nicht für die Ewigkeit gebaut; im Vergleich zu den Schweizer Anlagen waren sie auch extrem unkomfortabel und kaum zu verteidigen. Als Geschütze wurden durchgehend Schiesstürme von Panzern verwendet, die zum Altmetallpreis erworben wurden. Teilweise wurden auch ganze Panzer eingemauert. Die Eingänge zu den Bunkern sind kaum geschützt. Die Bunkeranlagen wurden durch Gräben, z.T. auch Tunnels, verbunden. Vor den Bunkern stehen weitere Geschütztürme, Panzer und Militärfahrzeuge, die der Verein im Laufe der Zeit angeschafft hat. Es wird bezweifelt, dass die Bunkeranlagen im Ernstfall einen militärischen Wert gehabt hätten. Als der Regen heftiger wird, kehre ich zum Scooter zurück und fahre weiter. Leider erwische ich die falsche Autobahnauffahrt – sie ist nur mit I für Italien angeschrieben und ich meine, dass sie Richtung Lienz führe, doch sie führt nach Udine. Erst nach 10km kann ich die Autobahn verlassen und umkehren. So fahre ich unnötige 20km. Nun nehme ich zur Sicherheit die Landstrasse nach Spittal. Der Regen ist unterdessen ziemlich heftig geworden. In Spittal tanke ich auf und schalte das Navi ein. Dieses führt mich zwar auf die Autobahn rund um Spittal herum, doch zielgenau zu meiner Unterkunft Müllnerhof in Millstatt-Laubendorf, hoch über Spittal. Es ist ein traditionell österreichisches Haus, mein Zimmer im Dachstock ist riesig. Trotz des heftigen Regens muss ich nochmals auf den Scooter sitzen, denn hier im Dorf gibt es kein Gasthaus und so muss ich einen Kilometer zum Wirt zu Tangern fahren. Das Essen ist sehr bodenständig und preislich sehr anständig, doch die Gaststube ist wie tot, völlig anders als in Slowenien oder Kroatien, es wirkt wie eine Leichenmahlzeit. Im strömenden Regen fahre ich zurück zu meiner Unterkunft.