03.07.2018 Sospel-Grenoble (Route des Grandes-Alpes)

  • Posted on: 3 July 2018
  • By: lenel

Um fünf Uhr früh stehe ich auf, um sechs Uhr fahre ich ab. Es geht um enge Kehren einer schmalen Strasse. Bereits um sieben bin ich auf dem Col de Turini (1607m), der zu meinem Erstaunen aus einem Wintersportort besteht. Ich fahre auf der anderen Seite wieder fast auf Meereshöhe hinunter. In La Bollene Vesubie kann ich unerwarteterweise auftanken. Dann geht es weiter nach Saint-Martin-Vésubie, von wo aus ich den Col Saint-Martin überquere, ein Buckel, der den Namen Pass fast nicht verdient. Alles ist mit Wintersportorten überbaut. Beim Aufstieg zum Col de la Couillole fällt mir das hübsche Dörfchen Roubion auf, das an einen steilen Felshang gebaut ist. Wie die das wohl gemacht haben, so ganz ohne Dynamit? Ich gelange zum Col de la Couillole (1678m) und nehme nun den Col de Valberg in Angriff. Auch dieser Pass (1672m) ist unproblematisch und einmal mehr ein Wintersportort. In Guillaumes finde ich trotz gegenteiliger Internetpostings keine Tankstelle. Ich komme an schwarzen Schieferfelsen vorbei. Hie und da hat es noch Schnee. Von Fahrradfahrern überrannt, trotz seinem steilen Aufstieg, ist der Col de la Cayolle (2326m). Die Sonne scheint nun und die Landschaft ist unbeschreiblich schön, grün und Felsen. Auf der Passhöhe muss ich mein erstes Fläschchen Benzin in den Tank giessen. Auf der anderen Seite des Passes zeigt sich des Rätsels Lösung: Es ist eine Amateur-Velofahrerveranstaltung im Gange. In Barcelonette tanke ich auf und esse ein Sandwich zu Mittag. Beim weiterfahren fällt mir die hochinteressante und imposante Forteresse de Tournoux bei La Condamine-Chatelard auf. Leider fehlt mir die Zeit für einen Besuch, da ich ja heute abend in Grenoble ankommen muss. Der nächste Pass ist der Col de Vars (2109m). Von hier aus geht es durch nackte Bergrücken und gelegentliche Schneefelder zum Col d’Izoard (2360m). Die Talfahrt nach Briançon verläuft äusserst rassig (hoffentlich hat es nirgends geblitzt). In Briançon verfahre ich mich ein wenig auf der Suche nach der Tankstelle. Schliesslich finde ich sie aber. Das Wetter hat zugemacht, es tröpfelt. Ueber den Col du Lautaret geht es zur Barrage du Chambon, einem Stausee. Schliesslich wird die Strasse breiter und die Geschwindigkeitslimiten höher. Ein heftiger Regenguss zwingt mich, das Regenzeug anzuziehen. Um fünf Uhr komme ich, nach 11 Stunden ununterbrochener Fahrt, in Grenoble an. Ich will im Flunch etwas essen, doch die Küche hat schon zugemacht. Die Tankstelle finde ich auch nicht, diejenige von E. Leclerc verweigert meine Kreditkarte. So fahre ich ins Stadtzentrum, wo ich tatsächlich eine noch offene Tankstelle finde – die meisten Tankstellen öffnen spät, machen lange Mittagspause und schliessen um fünf Uhr. Ich fülle auf und mit einem Trick kann ich das Navi zum Funktionieren überreden. Dieses führt mich punktgenau zur Auberge d’Helene, eigentlich das Hotel Trianon. Ich checke ein, parkiere den Scooter (und binde ihn gut an), hole mir einen Döner und einen grossen Wasservorrat und beginne mit dem Tagebuch. Während am Nebentisch der Vorstand des Hotels – eine zusammengewürfelte Gesellschaft, vielleicht eine Erbengemeinschaft – tagt.